- Veröffentlicht am 12. Nov. 2025
- Zuletzt bearbeitet am 12. Nov. 2025
- 14 min
Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln
Die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln ist ein zentrales Element moderner Lebensmittelsicherheit – sowohl im industriellen Umfeld als auch aus Sicht des Verbraucherschutzes. Immer komplexere Lieferketten, steigende Anforderungen an Qualität und Transparenz sowie rechtliche Verpflichtungen machen eine lückenlose Chargenrückverfolgung unverzichtbar.

Für die Lebensmittelindustrie ist die Rückverfolgbarkeit ein essenzielles Instrument zur Qualitätssicherung, Risikominimierung und Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Unternehmen müssen jederzeit in der Lage sein, nachzuvollziehen, woher ein Produkt stammt, welche Rohstoffe verwendet wurden und wohin die Ware geliefert wurde. Dies ist nicht nur im Falle eines Produktrückrufs von entscheidender Bedeutung, sondern auch zur Absicherung der eigenen Marke und zur Wahrung des Vertrauens der Kunden.
Verbraucher wiederum erwarten Transparenz. In Zeiten von Lebensmittelskandalen, Allergiehinweisen und Nachhaltigkeitsfragen wird es zunehmend wichtiger, Herkunft und Verarbeitung eines Produkts nachvollziehen zu können. Die Chargennummer auf der Verpackung ermöglicht genau das: Sie steht stellvertretend für die Rückverfolgbarkeit eines Produkts vom Ursprungsbetrieb bis ins Supermarktregal.
Gerade im industriellen Kontext, wo große Volumina verarbeitet und verteilt werden, ist ein effizient funktionierendes Rückverfolgbarkeitssystem daher ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.
Ziele und Nutzen der Chargenrückverfolgung
Die Chargenrückverfolgung hat das Ziel, die Liefer- und Produktionskette eines Lebensmittels lückenlos abbilden zu können. Dabei geht es nicht nur um gesetzliche Anforderungen – auch wirtschaftliche und organisatorische Gründe spielen eine wichtige Rolle.
Zentrale Ziele der Chargenrückverfolgung:
- Schnelles Handeln bei Produktrückrufen: Bei gesundheitlichen Risiken muss ein Unternehmen in der Lage sein, betroffene Chargen exakt zu identifizieren und gezielt aus dem Verkehr zu ziehen.
- Sicherstellung der Produktsicherheit: Die Nachverfolgbarkeit von Zutaten und Produktionsprozessen hilft, Risiken frühzeitig zu erkennen.
- Erfüllung gesetzlicher Vorgaben: Vorschriften wie die EU-Verordnung 178/2002 verpflichten Lebensmittelunternehmen zur Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Lieferkette.
- Transparenz gegenüber Kunden und Behörden: Rückverfolgbarkeit schafft Vertrauen und verbessert die Zusammenarbeit mit Kontrollinstanzen.
- Effizienz in der Produktion: Durch digitale Chargenverfolgung lassen sich Produktions- und Logistikprozesse besser steuern und analysieren.
Die Rückverfolgbarkeit – insbesondere die präzise Erfassung und Verwaltung von Chargennummern – liefert nicht nur Sicherheit, sondern auch wertvolle Erkenntnisse zur Optimierung der Lieferkette und Produktionsprozesse.
Chargennummer: Grundlage für Rückverfolgbarkeit
Die Chargennummer ist eine eindeutige Kennzeichnung, mit der ein Lebensmittel einer bestimmten Produktionsmenge (Charge) zugeordnet werden kann. Sie dient dazu, alle Produkte, die unter gleichen Bedingungen hergestellt wurden, identifizierbar zu machen. Die Chargennummer ermöglicht es, Herkunft, Verarbeitungsschritte und Zutaten eines Produkts im Nachhinein genau nachzuvollziehen.
Chargennummer Beispiel: Eine Molkerei füllt an einem bestimmten Tag Joghurt mit Erdbeergeschmack ab. Die gesamte Produktion an diesem Tag unter identischen Bedingungen erhält die Chargennummer "250615-E01". Sollte später ein Problem mit einem verwendeten Aroma auftreten, kann die gesamte Charge gezielt zurückgerufen werden.
Typische Merkmale einer Chargennummer:
- Alphanumerische Zeichenkombination
- Bezug auf Herstellungsdatum, Schicht, Linie oder Rezeptur
- Häufig aufgedruckt oder auf Etiketten aufgebracht
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln ist in der Europäischen Union klar gesetzlich geregelt – sowohl durch allgemeine Vorgaben als auch durch spezielle Hygienevorschriften. Unternehmen in der Lebensmittelindustrie müssen dafür sorgen, dass entlang der gesamten Lieferkette nachvollziehbar bleibt, woher ein Produkt stammt und wohin es geliefert wurde. Die Einhaltung dieser Vorschriften ist nicht nur Pflicht, sondern auch ein zentraler Bestandteil der Lebensmittelsicherheit und des Qualitätsmanagements.
EU-Verordnung 178/2002
Die wichtigste Grundlage im europäischen Lebensmittelrecht ist die EU-Verordnung (EG) Nr. 178/2002. Sie definiert grundlegende Anforderungen an die Sicherheit und Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln, Futtermitteln und Lebensmittelzusatzstoffen.
Kernpunkte der Verordnung (insbesondere Artikel 18):
- Unternehmen müssen jederzeit nachvollziehen können, woher ihre Produkte kommen und wohin sie geliefert wurden (One Step Back – One Step Forward).
- Die Rückverfolgbarkeit muss durch geeignete Systeme und Verfahren sichergestellt werden – das kann papierbasiert oder digital erfolgen.
- Bei einem Risiko für die Lebensmittelsicherheit müssen Unternehmen unverzüglich Produktidentifikation, Rücknahme und Information der zuständigen Behörden veranlassen.
In Deutschland ist diese Verordnung unter anderem durch das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) rechtlich verankert. Zusätzlich kontrollieren Landesbehörden und Einrichtungen wie das BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) regelmäßig die Umsetzung.
Verordnung (EG) Nr. 852/2004 und 853/2004: Hygienepaket
Ergänzend zur Basisverordnung gelten die Hygienevorschriften der Verordnungen:
- (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene
- (EG) Nr. 853/2004 mit besonderen Vorschriften für Lebensmittel tierischen Ursprungs
Diese Verordnungen verpflichten Lebensmittelunternehmer dazu, ihre Produktions-, Verarbeitungs- und Vertriebsprozesse so zu gestalten, dass eine hygienisch einwandfreie und rückverfolgbare Produktion gewährleistet ist.
Wichtige Punkte aus diesen Verordnungen:
- Einführung und Umsetzung eines HACCP-Konzepts (Hazard Analysis and Critical Control Points)
- Dokumentation aller für die Rückverfolgbarkeit relevanten Prozessschritte
- Strukturierte Kennzeichnung von Chargen und Losen
- Klare Anforderungen an Betriebs- und Personalhygiene, Transport, Lagerung und Rückverfolgung
Insbesondere für Verarbeiter tierischer Produkte (z. B. Fleisch, Milch, Fisch) ist die Verordnung 853/2004 von zentraler Bedeutung, da sie zusätzliche Identitätskennzeichen und Dokumentationspflichten vorgibt.
Anforderungen an Dokumentation und Kennzeichnung
Für eine funktionierende Rückverfolgbarkeit ist die vollständige Dokumentation aller relevanten Informationen Pflicht. Die rechtlichen Vorgaben verlangen, dass jede Charge eines Lebensmittels eindeutig identifiziert und zurückverfolgt werden kann – von den Rohstoffen bis zum Endprodukt.
Dokumentationspflichten umfassen:
- Vergabe und Erfassung der Chargennummer / Losnummer
- Angaben zu Herstellungsdatum, Produktionslinie, Rezeptur, Lieferanten
- Kennzeichnung der Verpackungseinheit (Chargenkennzeichnung)
- Nachweis der Verwendung und Verteilung innerhalb der Lieferkette
Die Chargenkennzeichnung muss auf dem Produkt oder der Verpackung klar lesbar, dauerhaft und eindeutig angebracht sein. Die Ausgestaltung der Nummer kann betrieblich individuell festgelegt werden, muss jedoch innerhalb des Unternehmenssystems eindeutig zuordenbar und rückverfolgbar sein.
Expertentipp: revisionssicher dokumentieren
Durch den Einsatz digitaler Lösungen – z. B. ERP-Systeme, Produktionsdatenmanagement (MES), Etikettier-Software oder Blockchain-basierte Rückverfolgung – lassen sich diese Anforderungen nicht nur effizient erfüllen, sondern auch revisionssicher dokumentieren.
Technologien zur Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit
Die gesetzlich geforderte Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln lässt sich in der Praxis nur mithilfe geeigneter Technologien effizient und zuverlässig umsetzen. Besonders bei industriellen Mengen und komplexen Lieferketten ist ein manuelles System weder wirtschaftlich noch fehlertolerant genug. Moderne digitale Lösungen ermöglichen die automatisierte Chargenverfolgung – von der Rohstoffannahme bis zur Auslieferung an den Kunden.
Barcode- und QR-Code-Systeme (Chargenverfolgung per Code)
Die einfachste und zugleich am weitesten verbreitete Methode zur Kennzeichnung und Rückverfolgung von Lebensmitteln ist die Nutzung von Barcodes oder QR-Codes. Beide Systeme lassen sich maschinenlesbar auf Produkten, Etiketten oder Verpackungen anbringen und mit einer spezifischen Chargennummer oder Losnummer verknüpfen.
Vorteile:
- Günstig in der Umsetzung
- Kompatibel mit gängigen Etikettiersystemen und Barcode Scannern
- Ermöglicht eine schnelle Zuordnung der Charge beim Warenein- oder -ausgang
- QR-Codes bieten zusätzlich Platz für weiterführende Informationen (z. B. Herkunft, Produktionsdatum, Lagerbedingungen)
- In Kombination mit einer Datenbank lässt sich auf Knopfdruck nachvollziehen, welche Rohstoffe in welcher Charge verarbeitet wurden und an welchen Kunden die entsprechenden Produkte geliefert wurden.
RFID und IoT-Lösungen in der Lebensmittellogistik
Für höhere Automatisierung und mehr Datentiefe kommen zunehmend RFID-Technologien (Radio Frequency Identification) und IoT-Anwendungen zum Einsatz. Dabei werden Informationen nicht mehr nur sichtbar, sondern berührungslos und automatisch erfasst.
In der Lebensmittelindustrie ermöglichen solche Technologien beispielsweise das lückenlose Verfolgen von Paletten, Kisten oder Behältern entlang der Lieferkette – unabhängig davon, ob diese in Kühlhäusern, LKWs oder Hochregallagern stehen. RFID-Transponder und IoT-Sensoren übernehmen dabei die automatische Erfassung von Chargen, Lagerpositionen und Bewegungsdaten, ohne dass ein direkter Sichtkontakt notwendig ist.
Besonders wertvoll werden IoT-Anwendungen durch den Einsatz von intelligenten Sensoren, die laufend kritische Umweltbedingungen überwachen. Drucksensoren beispielsweise kommen bei vakuumverpackten Produkten, in Silos oder Behältern zum Einsatz, um Lagerdruck, Gärprozesse oder Transportbedingungen zu überwachen. Feuchtigkeitssensoren sind unverzichtbar für die Konservierung von hygroskopischen Lebensmitteln wie Getreide, Trockenfrüchten oder Gewürzen. Sie helfen, Schimmelbildung oder das Wachstum unerwünschter Mikroorganismen frühzeitig zu verhindern, indem sie bei Überschreitung definierter Feuchtigkeitsgrenzen automatisch Warnungen auslösen.
Durch die Integration dieser Sensoren in IoT-Plattformen können Temperatur-, Feuchtigkeits- und Druckverläufe automatisiert dokumentiert und mit der zugehörigen Chargennummer verknüpft werden. So lassen sich Lager- und Transportbedingungen jederzeit normgerecht nachweisen – ein entscheidender Faktor bei Zertifizierungen, Kontrollen oder Produktrückrufen.
Zusätzlich bieten diese Systeme die Möglichkeit, bei Überschreitung definierter Schwellenwerte sofort Maßnahmen einzuleiten – etwa das automatische Sperren einer Charge im System, das Versenden einer Echtzeitmeldung an das Qualitätsmanagement oder das Umleiten eines Transports in ein Zwischenlager.
Diese Technologien sind insbesondere für größere Industriebetriebe, Logistikzentren und Hersteller sensibler Lebensmittel von strategischem Vorteil. Sie ermöglichen eine automatisierte Rückverfolgbarkeit, minimieren das Risiko von Qualitätseinbußen und erfüllen gleichzeitig die steigenden Anforderungen an Produktsicherheit, Transparenz und Dokumentation entlang der gesamten Lieferkette.
Blockchain als Garant für unveränderliche Chargenrückverfolgbarkeit
Eine vergleichsweise neue, aber hochinteressante Entwicklung in der Rückverfolgbarkeit ist der Einsatz von Blockchain-Technologie. Hierbei handelt es sich um eine fälschungssichere, dezentrale Datenbank, in der jeder Schritt in der Lieferkette unveränderlich gespeichert wird.
Vorteile der Blockchain in der Lebensmittelsicherheit:
- Manipulationssichere Dokumentation von Chargeninformationen
- Transparenz für alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette
- Ideal für internationale Lieferketten und Zertifizierungsprozesse
- Kombination mit Smart Contracts ermöglicht automatisierte Rückrufprozesse
Die Blockchain ist besonders dann interessant, wenn viele unterschiedliche Akteure involviert sind (z. B. Rohstofflieferanten, Verarbeiter, Logistik, Handel) und das Vertrauen durch technologische Transparenz gestärkt werden soll.
ERP- und MES-Integration: Chargenrückverfolgung in Unternehmensprozessen
Die Rückverfolgbarkeit sollte kein Inselsystem sein – sondern integraler Bestandteil der Unternehmens-IT. Moderne ERP-Systeme und MES-Lösungen ermöglichen eine durchgängige Rückverfolgung über alle Ebenen der Produktion, Logistik und Qualitätssicherung hinweg.
Typische Funktionen:
- Automatische Vergabe und Verwaltung von Chargennummern
- Verknüpfung von Rohstoff-, Prozess- und Versanddaten
- Audit-Trail-Funktion für Rückrufe oder Rückverfolgungsanfragen
- Echtzeitberichte und Auswertungen zur Prozessoptimierung
Durch eine intelligente Integration können Daten aus Barcode-Scannern, IoT-Geräten oder Laboranalysen direkt in das ERP- oder MES-System übertragen werden. So entsteht eine konsistente, jederzeit abrufbare Dokumentation – ein entscheidender Vorteil bei Audits oder Produktrückrufen.
Implementierung der Traceability in der Lebensmittelindustrie
Die Einführung eines funktionierenden Systems zur Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln ist kein einmaliger IT-Kauf, sondern ein ganzheitlicher Prozess. Damit Unternehmen gesetzliche Anforderungen erfüllen, auditfähig bleiben und im Ernstfall schnell reagieren können, muss die Chargenrückverfolgung technisch durchdacht, organisatorisch eingebettet und von den Mitarbeitenden verstanden sein.
Prozessanalyse und Lastenheft
Am Anfang steht immer eine gründliche Prozessanalyse. Ziel ist es, alle relevanten Stationen innerhalb der Wertschöpfungskette zu identifizieren, an denen Chargennummern vergeben, verändert oder erfasst werden. Hierzu zählen etwa die Rohstoffannahme, Verarbeitungsschritte, Verpackungslinien sowie Lager- und Versandprozesse. Unternehmen sollten analysieren, wie bestehende Systeme wie etwa ERP- oder Lagersoftware eingebunden werden können und welche Anforderungen sich aus der Produktauswahl und den geltenden Vorschriften ergeben. Das Ergebnis dieser Analyse wird idealerweise in einem Lastenheft dokumentiert, das als Basis für die Systemauswahl und spätere Implementierung dient.
Auswahl der richtigen Los- und Chargennummern-Vergabesysteme
Die Vergabe von Los- oder Chargennummern ist das Rückgrat jeder Rückverfolgbarkeitsstrategie. Wichtig ist, dass diese Nummern eindeutig, strukturiert und nachvollziehbar sind – unabhängig davon, ob sie manuell, halbautomatisch oder vollautomatisiert erzeugt werden. Entscheidend ist, dass das Nummernsystem zur Struktur des Betriebs passt – also etwa Informationen zum Herstellungsdatum, zur Produktionslinie oder zur Rezeptur abbildet – und mit vorhandenen Scannern, Etikettierlösungen und Datenbanken kompatibel ist. Eine einmal etablierte Struktur sollte konsequent beibehalten werden, um die Rückverfolgbarkeit im Zeitverlauf sicherzustellen.
Schulung von Mitarbeitern und Change Management
Technik allein reicht nicht aus – die Rückverfolgbarkeit steht und fällt mit den Menschen, die täglich damit arbeiten. In der Praxis bedeutet das: Die Belegschaft muss verstehen, warum Rückverfolgbarkeit wichtig ist, wie Chargennummern korrekt vergeben und verarbeitet werden und welche Schritte bei Abweichungen oder Produktrückrufen einzuleiten sind. Neben Schulungen empfehlen sich klare Arbeitsanweisungen und eine kontinuierliche Kommunikation, um die Akzeptanz im Unternehmen zu fördern. Wer die Belegschaft frühzeitig in den Umstellungsprozess einbindet, begegnet möglichen Widerständen und schafft die Basis für ein funktionierendes Change Management.
Wartung, Überwachung und Audit-Trails
Nach der Einführung darf das System nicht sich selbst überlassen bleiben. Eine regelmäßige Wartung und Überwachung sind notwendig, um die langfristige Funktionalität und Rechtssicherheit zu gewährleisten. Dazu gehören beispielsweise stichprobenartige Test-Rückrufe, Validierungen der Datenqualität sowie Updates und Anpassungen der eingesetzten Software. Besonders wichtig ist ein lückenloser Audit-Trail: Jede Veränderung im System – sei es an einer Chargennummer, einer Prozessbeschreibung oder einer Benutzerrolle – sollte nachvollziehbar protokolliert werden. So können Unternehmen jederzeit belegen, wie ein Produkt hergestellt, verarbeitet und verteilt wurde – ein entscheidender Vorteil nicht nur bei Rückrufen, sondern auch im Rahmen behördlicher Kontrollen oder Zertifizierungen.
Herausforderungen und Best Practices
Die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln bringt eine Vielzahl technischer, organisatorischer und kommunikativer Anforderungen mit sich. In der Praxis zeigt sich, dass selbst moderne Systeme nur dann zuverlässig funktionieren, wenn bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt sind. Im Folgenden werden drei zentrale Herausforderungen näher beleuchtet – jeweils ergänzt um konkrete Best Practices, wie Unternehmen diese erfolgreich meistern können.
Datenqualität und Systemintegration
Eines der größten Risiken in der Rückverfolgbarkeit liegt in unvollständigen, inkonsistenten oder fehlerhaften Daten. Schon eine falsch erfasste Chargennummer, ein vergessener Rohstoffeintrag oder ein unklarer Zeitstempel kann im Ernstfall dazu führen, dass ein Rückruf unnötig groß ausfällt oder gar scheitert.
Best Practice: Setzen Sie auf eine durchgängige Systemintegration, bei der Daten automatisch aus dem Produktionsprozess, der Warenwirtschaft und der Qualitätssicherung zusammengeführt werden. Vermeiden Sie manuelle Schnittstellen, wo immer möglich. Achten Sie zudem auf einheitliche Datenformate und klare Verantwortlichkeiten für die Datenerfassung. Schulungen und regelmäßige interne Audits helfen, das Bewusstsein für Datenqualität zu schärfen und Fehlerquellen frühzeitig zu identifizieren.
Skalierbarkeit für verschiedene Produktvolumina
Nicht jedes Unternehmen produziert täglich tausende Einheiten – doch selbst kleinere Betriebe müssen Rückverfolgbarkeit sicherstellen. Umgekehrt dürfen Systeme in der industriellen Großproduktion auch bei hohem Volumen nicht an ihre Grenzen stoßen. Die Herausforderung besteht darin, Lösungen zu finden, die mit dem Unternehmen wachsen – oder sich flexibel an verschiedene Produkte und Prozesse anpassen lassen.
Best Practice: Wählen Sie skalierbare Systeme, die modular aufgebaut sind und sowohl kleine als auch große Datenmengen zuverlässig verarbeiten können. Achten Sie bei der Auswahl von Software und Hardware auf Kompatibilität mit zukünftigen Erweiterungen – etwa zusätzliche Produktionslinien, neue Produkte oder internationale Vertriebspartner. Ideal sind Lösungen, die sich sowohl in kleinen Pilotprojekten testen als auch unter Vollauslastung betreiben lassen.
Zusammenarbeit mit Lieferanten und Logistikpartnern
Die Rückverfolgbarkeit endet nicht an der Werkstorgrenze – sie beginnt bei den Rohstofflieferanten und reicht bis zur Auslieferung an den Kunden. In vielen Fällen ist die Rückverfolgung nur dann vollständig möglich, wenn auch Vorlieferanten und Logistikdienstleister zuverlässig dokumentieren und kommunizieren. Doch gerade an diesen Schnittstellen kommt es häufig zu Informationsverlusten oder Inkompatibilitäten.
Best Practice: Binden Sie Ihre Lieferanten und Logistikpartner aktiv in Ihre Rückverfolgbarkeitsstrategie ein. Dazu gehört die Definition einheitlicher Anforderungen an Chargenkennzeichnung, Lieferscheine und digitale Datensätze. Idealerweise arbeiten alle Beteiligten mit kompatiblen Systemen oder Schnittstellen (z. B. EDI, GS1-Standards). Erstellen Sie gemeinsam mit Partnern standardisierte Prozesse für Datenübergabe, Fehlerbehandlung und Informationsaustausch im Rückruffall. Eine enge Zusammenarbeit auf Augenhöhe zahlt sich aus – insbesondere, wenn schnelle Reaktionen gefragt sind.
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Praxisbeispiel: Rückruf von verunreinigtem Salat
In einem Lebensmitteleinzelhandel melden sich mehrere Kundinnen und Kunden mit Beschwerden über Magen-Darm-Symptome. Eine interne Untersuchung ergibt, dass eine bestimmte Blattsalat Charge mit E. coli-Bakterien belastet ist. Anhand der Chargennummer auf der Verpackung lässt sich schnell ermitteln, wann und wo der Salat verarbeitet wurde, von welchem Erzeugerbetrieb er stammt und welche Stationen er bis zum Verkauf durchlaufen hat.
Die Rückverfolgung zeigt, dass der Salat von einem landwirtschaftlichen Betrieb in Süditalien kommt. Die betroffene Ernte erfolgte einen Tag nach einem Starkregen, bei dem möglicherweise verunreinigtes Wasser zur Bewässerung eingesetzt wurde. Auch die Verpackung und Auslieferung können zeitlich genau eingegrenzt werden. Die vollständige Rückverfolgbarkeit ermöglicht es, die betroffene Charge präzise zu identifizieren und weitere Chargen auszuschließen.
Daraufhin wird die betroffene Ware sofort aus dem Handel genommen. Der Händler informiert öffentlich über den Rückruf und gibt an, welche Chargennummer betroffen ist. Verbraucherinnen und Verbraucher haben so die Möglichkeit, ihre gekauften Produkte zu überprüfen. Gleichzeitig werden die zuständigen Behörden informiert, um weitere Maßnahmen wie Kontrollen beim Erzeugerbetrieb einzuleiten.
Durch die schnelle und gezielte Rückverfolgung lassen sich gesundheitliche Risiken minimieren. Der Vorfall bleibt auf eine definierte Charge begrenzt. Die Rückverfolgbarkeit schützt in diesem Fall nicht nur die Verbraucher, sondern auch die beteiligten Betriebe – denn ohne sie müssten im Zweifel ganze Produktlinien vom Markt genommen werden, obwohl nur ein kleiner Teil betroffen ist.
Häufige Fragen
Die Rückverfolgbarkeit von Produkten ist verpflichtend, sobald es um Lebensmittel, Futtermittel, Lebensmittelzusatzstoffe oder Verpackungen mit Lebensmittelkontakt geht. Grundlage ist die EU-Verordnung (EG) Nr. 178/2002, die alle Unternehmen entlang der Lieferkette dazu verpflichtet, jederzeit nachweisen zu können, woher ein Produkt stammt und wohin es geliefert wurde. Besonders streng sind die Vorgaben bei Produkten tierischen Ursprungs sowie bei Bio-Produkten oder Artikeln mit Allergenkennzeichnung. Ziel ist es, im Krisenfall schnell reagieren, Rückrufe gezielt durchführen und die Lebensmittelsicherheit gewährleisten zu können.
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